Caritas Bergeinsatz - Alpurlaub - Bergbauern - Freiwilligeneinsatz

#12 Meine Erfahrungen auf der Alp (7)

Caritas-Bergeinsatz in der Schweiz
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Abschließend möchte ich mit euch meine Gedanken zu der Reise teilen, heute genauso präsent und gültig wie vor sechs Jahren…

 

Caritas Bergeinsatz - Alpurlaub - Bergbauern - Freiwilligeneinsatz

Abfahrt von Oey…

 

Ich habe unglaublich großen Respekt vor Bergbauern, wie ich sie kennengelernt habe. Ich ziehe den Hut vor ihrer Arbeit. Auch wenn es mal untereinander grummelt – es wird getan, was getan werden muss. Um der Arbeit willen. Egal, ob man da jetzt Lust drauf hat oder nicht. Die Frage stellt sich gar nicht.

Und das macht vieles einfacher, so paradox es klingt. Wie oft blockieren wir uns selbst, weil wir unendlich viele Auswahlmöglichkeiten haben:

“Hm, ich müsste noch Wäsche waschen, aber irgendwie hab ich da nicht so Lust drauf, ach, kann ich auch morgen noch machen… Und es kommt ja auch gleich bestimmt noch was im Fernsehen. Oder sollte ich doch endlich mal die Blumen umtopfen? Hm… Was sagst du? Ob wir was essen gehen wollen? Ok……”

Dieser Punkt schließt an den vorigen an: Diese Art von Arbeit, Leben ist auf gewisse Weise auch sehr befreit. Denn die Natur gibt die Arbeit vor. Ist es Sommer und gutes Wetter ist klar, dass man zum Heuen fährt. Ist schlechtes Wetter ist klar, dass man andere Arbeiten macht, die den Alpsommer aber unterstützen. Oder vorbereitend für die Zeit danach sind.

 

Caritas Bergeinsatz - Alpurlaub - Bergbauern - Freiwilligeneinsatz

 

Es ist klar, dass der Arbeitstag um 7 Uhr anfängt, weil die Kühe dann gemolken werden. Kein innerer Stress, weil man jeden Tag abwägen muss:

“Gehe ich morgen ein bisschen später ins Büro? Ich habe ja Gleitzeit und würd gern mal wieder länger schlafen. Übermorgen fang ich dafür dann früher an, weil ich nachmittags zum Sport will. Ach nee, das geht ja nicht, weil nachmittags ein Meeting angesetzt ist. Grr…”

 

Die Natur, die Tiere geben den Rhythmus vor, und sich diesem Rhythmus hinzugeben, kann sehr befreiend sein.

 

Für mich war es doppelt befreiend, weil ich mich ja um nichts kümmern musste, sondern einfach mit der Familie “mitlaufen” konnte. Ich glaube, ich habe die ganze Zeit nicht auf die Uhr geschaut (die ich nicht anhatte ;) ), außer morgens und abends für den Wecker.

Ich war richtig im Zeitflow, und es war so unglaublich befreiend. Keine Entscheidungen treffen zu müssen, einfach “Mitläufer” und “Ausführer” zu sein.

 

Caritas Bergeinsatz - Alpurlaub - Bergbauern - Freiwilligeneinsatz

 

Aufgrund dieses “Zeiflows” und der extremen Reizarmut dort oben fiel es mir relativ schwer, wieder “zuhause” anzukommen. Schon der Weg mit dem Bus zum Bahnhof, und von dort dann Stück für Stück immer mehr zurück in die (eigene) Zivilisation, war wie ein Kulturschock. Die ganzen Leute, die ganzen Reize usw. Ich habe mich die ersten Tage richtig gescheut, in einen Supermarkt zu gehen.

Zuhause angekommen, war mir auch überhaupt nicht nach Fernsehen, Laptop o.ä. Ich habe einfach ganz in Ruhe die Sachen wegsortiert und bin peu à peu wieder “angekommen”.

Es war auf jeden Fall eine ungemein bereichernde, interessante Erfahrung, vor der keiner Scheu haben sollte. Das Abtauchen in eine (diese) andere Welt ist wunderbar entschleunigend!

 

Britta Jacobsen | Impulse für ein bewussteres und glücklicheres Leben

 

 

 

 

PS: Für diejenigen, die meine Bilder eventuell abgeschreckt haben: Es gibt auch etwas modernere Höfe. Mit Warmwasser und Dusche und so … ;)

2 Gedanken zu „#12 Meine Erfahrungen auf der Alp (7)

  1. Liebe Britta,
    danke für das Berichtne von deiner Ziet auf der Alp. Ich möchte so etwas auch gern einmal tun, es hört sich so befreiend an. Toll, deine erfahrungen mit der Zeit… ich konnte das beim Lesen super nachvollziehen. Wir müssen im Alltag ständig entscheiden und es ist so erleichternd, das einmal nicht müssen… Liebe grüße von Andreas

    1. Lieber Andreas,
      hab vielen Dank für deinen Kommentar! Ich freue mich, dass du mein Empfinden und meine Erfahrung dort nachvollziehen konntest. Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen – es ist schon eine sehr bereichernde Erfahrung, die bleibt.
      Sei lieb gegrüßt
      Britta

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